2018er – erste Eindrücke aus Franken | Weingut Rudolf May (Teil 1)

Am Rosenmontag, 04. März 2019, fuhr ich mit dem Sommelier Oliver Donnecker vom Restaurant die Heimat in Frankfurt nach Franken, um drei Weingüter zu besuchen und einen ersten Eindruck von den 2018er Silvanern zu bekommen.

Weingut Rudolf May – Retzstadt
Am westlichen Schenkel des Maindreiecks, etwas nördlich von Würzburg liegt Retzstadt in einem Seitental des Mains. Der Weinbau hat hier nicht die gleiche Bedeutung wie am östlichen Schenkel um Volkach, in den letzten Jahren kommen von hier aber einige spannende Neuentdeckungen wie Christine Pröstler aus Retzbach. 50% des VDP-Weinguts Bickel-Stumpf und der Weinkeller des Weinguts liegen im Nachbarort Thüngersheim. Zum Primus inter pares hat sich aber das Weingut Rudolf May entwickelt.

2018er - erste Eindrücke aus Franken | Weingut Rudolf May (Teil 1)

Das Weingut hat der Club-Fan Rudi May, was den Winzer für mich noch sympathischer macht ;-), vor ca. 20 Jahren komplett neu gegründet, seine Eltern bewirtschafteten noch einen klassischen, gemischten, landwirtschaftlichen Betrieb mit Feldbau, Milchwirtschaft und ein wenig Weinbergen, ca. 1,5ha. Die Trauben wurden bei der Genossenschaft abgeliefert, was im Ort alle Weinbauern machten. Heute erzeugt Rudolf May mit seiner Frau Petra und dem Sohn einige der besten fränkischen Weine auf ca. 15ha.

Rudi May ist ein echter Franke, der nicht zu Jubelarien neigt, sein trockener Kommentar zu den 2018ern, da sind uns ein paar ordentliche Weine gelungen. Das war natürlich die pure Untertreibung, was wir am Morgen im Weingut probieren konnten war wieder ganz großes Silvaner-Kino.

Der Jahrgang war in Franken nicht ganz einfach, natürlich bleibt uns der Jahrhundertsommer im Gedächtnis, aber kein Regen von Mai bis Oktober ist eben auch für den Wein nicht gut. Bei den jüngeren Anlagen musste so weit wie möglich bewässert werden um diese zu erhalten, die alten Stöcke mit ihren tiefen Wurzeln haben aber trotz der Trockenheit ausreichend Feuchtigkeit gefunden. Gut, dass das Weingut zum größten Teil solche alten Rebbestände sein eigen nennt. Der Ertrag war bei allen Winzern in Franken, die wir besucht haben nicht höher als sonst, im Gegensatz zu Deutschland insgesamt.

Beginnen wir mit der Verkostung der 2018er Weine von Rudi May.
2018er - erste Eindrücke aus Franken | Weingut Rudolf May (Teil 1)

2018 Silvaner Gutswein trocken
Der einzige Wein der bereits gefüllt war, alle anderen Weine hat Rudi May für uns aus den entsprechenden Tanks und Fässern cuvetiert.
Dezente Nase, etwas Citrus, Limone, Apfel und Kalkstaub, dann im Mund saftig, mit Zug und Grip, wieder Limone und grüner Apfel, schöner Essensbegleiter, aber auch als Terrassenwein geeignet. Verbindet sehr schön easy drinking mit Charakter. Das war schon mal ein sehr guter Einstieg in den Tag.

2018 Silvaner Retzstadt VDP.Ortswein
Mit dem Ortswein wird es nicht wuchtiger, eher komplexer, ja vielleicht sogar feiner. Hier ist schon etwas mehr Mineralik schmeckbar, schönes Mundgefühl, Frucht zurückhaltend, etwas grüner Apfel, Kräuter, Zitronenthymian. Die Fassprobe enthielt noch etwas Hefe, ob der fertige Wein dann auch so cremig sein wird lässt sich schwer voraussagen. Die Aromatik macht aber viel Spaß.

2018 Silvaner Langenberg VDP.Erste Lage
Der Einstieg in die Lagenweine. In der Nase etwas mehr Frucht, Apfel zwischen grünem und gelben, dann etwas Quitte, auch reife Birne, ein wenig Citrus, saftig, gute Säure, Frische, sehr nachhaltig, trägt nach hinten, kraftvoll, aber definiert, straff, kein Gramm Fett. Der Langenberg macht schon jetzt viel Trinkfreude. Nach hinten auch leicht Gerbstoff, feine phenolig, ein Teil wurde im Holz ausgebaut.

2018 Silvaner Rossthalberg VDP.Erste Lage
Die Nase feiner, eher Blüten als Früchte, helle Blüten, Holunderblüte, am Gaumen kraftvoll, mit Schmelz, komplett im Holz ausgebaut, sehr schönes Holz, das man in Deutschland in der Qualität noch nicht so häufig findet. Tolle Struktur, mit schöner Harmonie und Balance. Die Länge ist schon richtig beeindruckend. Ein Wein, den man beim 2018er Jahrgang im Auge behalten sollte.

2018 Silvaner der Schäfer
Hier steht der Ausbau im Holz im Mittelpunkt, schon in der Nase deutlich riechbar, auch hier wieder sehr feines Holz, eher grüne Holznoten, Tabakblätter, ich mag diesen Holzton sehr, nur dezent Vanille, kein Karamell.
Im Mund Schmelz, reife Frucht, neben Quitte und gelbem Apfel auch etwas Steinobst, Reineclaude, enorm viel Kraft, die aber perfekt verpackt ist.
Rudi May hatte das Glück 2 400jährige Eichen aus dem Hochspessart zu bekommen, deren Stammdurchmesser gerade mal 70cm maß, also sehr langsam gewachsen, mit ganz engen Jahresringen. Besseres Holz lässt sich für den Fassbau kaum finden. Die Fässer hat dann der bekannte Fassmacher Assmann aus Franken gefertigt. Der Schäfer durfte in so einem Fass reifen.

Die GGs haben wir ganz bewusst ausgelassen, weil sie noch viel zu jung waren, teilweise noch nicht einmal komplett durchgegoren waren. Mir fehlt einfach die Erfahrung solche Babys richtig einzuschätzen.

Nach den Silvanern gab es dann noch die Burgunder und Rieslinge.

2018 Weißer Burgunder Langenberg
Ein echter Schmeichler, sehr charmant, feine Frucht, auch helle Blüten, wirkt im Vergleich zum Schäfer viel runder, animierender, zugänglicher. Hat auch etwas mehr Alkohol, wobei die Alkoholwerte bei Rudi May trotz des warmen Sommers nur knapp 0,5%Vol höher als 2017 liegen. Rechtzeitige Lese war in diesem Jahr das A&O.

2018 Grauer Burgunder Benediktusberg
Wirkt deutlich dunkler als der Weiße Burgunder, schon die Nase zeigt mehr Druck, auch am Gaumen mehr Kraft aber durchaus straff, nicht ausladend, das passt schon sehr schön. Reifes Steinobst, auch Quitte, dazu würzige Noten, ausreichend Frische. Macht Freude.

2018 Riesling Retzstadt
Wer noch Frucht im Riesling mag wird diesen Wein lieben, ein hedonistischer Spaßmacher, saftig, Pfirsich, auch die Haut des Pfirsich, feine Gerbstoffnote, erfrischende Säure, unglaublich süffig. Das ist kein Riesling für Steintrinker und Mineralien-Analytiker, die Säure nicht messerscharf sondern schlicht ausreichend um dem Wein Frische zu geben. Das ist lecker, Spaßwein mit Niveau.

2018 Riesling Langenberg
Deutlich ernsthafter als der kleine Bruder, die Frucht weniger opulent, ernsthafter, herber, komplexer, etwas Limone, etwas grüner Apfel, helle Blüten, Agrumen, das chargiert hin und her, aber auch hier dominiert die Säure nicht den Wein, auch wenn sie deutlich straffer, fokussierter, fordernder auftritt als beim Retzstadter. Deutlich mehr Länge. Das ist schon richtig gut, ein fränkischer Riesling, der sich im nationalen Vergleich auch nicht vor den besten verstecken muss.
Rudi May meinte mit typisch fränkischem Understatement: “Das ist schon nicht schlecht”
Ich sage das ist richtig gut.

Dann kamen die Roten, die Spätburgunder, ins Glas

2018 Spätburgunder Retzstadt
In der Nase dunkle Frucht, Cassis, auch Holunderbeeren, im Mund neben der dunklen Beerenfrucht auch Schwarzkirsche, endet herb mit feinem Säurekick. Irgendwie eine ganz eigene Interpretaion des Pinot Noir, schon kraftvoll aber doch nicht deutsch-süßlich. Trotz Kraft und dunkler Frucht ausreichend Frische und Spiel. Mir persönlich hat vielleicht ein wenig Finesse gefehlt, aber das ist eher persönliche Präferenz, weniger qualitative Kritik.

2018 Spätburgunder Langenberg
Deutlich kühlere, Stilistik, rote Beeren, Sauerkirsche, im Mittelteil auch Schwarzkirsche, trägt nach hinten extrem lang, hat Zug und Biss. Kommt meiner persönlichen Vorstellung von Pinot näher. Gefällt mir richtig gut.

2018 Spätburgunder Benediktusberg
In der Nase leichter reduktiver Stinker, herbe, dunkle Beerenfrucht, wieder die Holundernote, Kirsche, im Mund noch etwas Gär-Kohlensäure, herrlich herbe, natürliche Frucht, feine Würze, Holz, sehr schönes Holz, noch etwas vorn, aber das wird sich einbinden, eigenständige Interpretation, oder typisch Retzstadt? Keine Ahnung, ich wüsste gar nicht ob es einen weiteren Spätburgunder aus Retzstadt gibt, wie soll man da Typizität definieren. Ist am Ende auch egal, das ist gut, sogar sehr gut.
2018er - erste Eindrücke aus Franken | Weingut Rudolf May (Teil 1)

Und zum Abschluss hatte Rudi May für uns noch ein echtes Bonbon:

2018 Rieslaner Auslese
Was ein Brett, was eine Konzentration, was eine Intensität, ein ganzer Korb voll Steinobst, Aprikose, herrlich saftige, reife Aprikose, enorm viel Frucht, aber auch eine heftige Säure, Zug, dazu etwas Grip, etwas phenolig, Pfirsichhaut, unglaublich welche Intensität dieser Wein hat. Natürlich viel zu jung, ein Wein für die Ewigkeit. 100% reife, gesunder Beeren, noch immer 185 gr RZ/l

Das ist ein ganz besonderer Wein. Zusammen mit dieser ganz besonderen Auslese war das ein fulminater Auftakt unserer kleinen Frankentour, weiter ging es nach Südosten, nach Sulzfeld zum Zehnthof Luckert.