2018er – erste Eindrücke aus Franken | Weingut Max Müller I (Teil 3)

Frankentour, letzter Teil, Besuch bei Max Müller I in Volkach

Nachdem wir uns im Restaurant weißes Lamm in Sommerach gestärkt hatten, der gebackene Karpfen war ein Gedicht, dazu dunkles Landbier von Kesselring aus Marktsteft, fuhren wir zum Weingut Max Müller I in Volkach. Dort erwartete uns schon der Juniorchef Christian Müller.

Mit dem Einstieg von Christian Müller hat sich die Stilistik der Weine deutlich verändert. Wo früher eher fruchtbetonte und nicht immer fränkisch trockene Weine die Kollektion beherrschten, da gehören die Max Müller Weine seit 4 bis 5 Jahren zu echten fränkischen Charakterweinen. Ein Wein hat diesen Umschwung eingeleitet, der Silvaner Eigenart, der komplett im Holz ausgebaut wurde und wird, der erste “eigene” Wein von Christian Müller. Den Eigenart Silvaner findet man heute auf vielen Weinkarten der deutschen Spitzenrestaurants. Auch eines der Urgesteine der Sommelier-Zunft, Alfred Voigt, empfiehlt den Wein in seiner jüngsten Kolummne bei “La Gazetta del Vino”.

Der Jungwinzer hat auch mit Maischegärung experimentiert, sein Mainstoff gehört aus meiner Sicht zu den besten maischevergorenen Weißweinen Deutschlands. Ein Wein der exemplarisch zeigt, dass Silvaner auch in dieser Disziplin überzeugen kann, ich lehne mich mal aus dem Fenster, es gibt in Deutschland keine andere Sorte, die auch maischevergoren so viel Sortentypizität zeigen kann.

Am heutigen Tag sollte es aber um die 2018er Kollektion gehen und nicht um besondere Spezialitäten.

Der Jahrgang 2018 bei Max Müller I
2018 Silvaner Gutswein
In der Nase noch eine leichte Schwefel-Schärfe, der Wein ist erst wenige Tage gefüllt. Diese verzieht sich aber mit etwas Schwenken und Luft sehr schnell, dann gelbe Früchte, wirkt schon in der Nase sehr saftig, wie allgemein die Silvaner bei Max Müller I schon sehr zugänglich und animierend wirken. Reineclaude, gelber Apfel, aber nicht überreif, eher knackig, trinkig. Schöner Gutswein zum deftigen Abendessen, aber auch mal einfach so auf der Terrasse.

2018er – erste Eindrücke aus Franken | Weingut Max Müller I (Teil 3)
Natürlich haben wir da gleich ein paar Kisten eingepackt, um ihn unseren Kunden anbieten zu können.

2018 Silvaner Volkach
Zu Beginn eher kräutrig, würzig, dann grüner Apfel und Limone, zur Mitte und nach hinten gesellt sich dann noch etwas Gelbfrucht dazu, zarte phenolig, Gerbstoff, die dem Wein Grip gibt. Hat Zug, macht Spaß.

2018 Silvaner Volkacher Karthäuser
Zeigt sich etwas fruchtbetonter als der Ortswein, deutliche Gelbfrucht, Reineclaude, auch Apfel, sehr saftig, animierend, gute Säure, nach hinten auch kalkmineralisch, zum Abgang übernimmt die Würze, Erdigkeit und der Wein zeigt auch etwas Wildes. Sehr schöner Lagenwein.

Danach ging es in den Keller und wir konnten zwei Fässer probieren, die mal den Volkacher Ratsherr, die große Lage der Müllers geben können. Die genaue Cuvee steht da aber noch nicht fest.
Fass 1 zeigte sich elegant, mit Zug, schöne Säure, eher herbe Frucht, würzig, kalkmineralisch, hier fehlte vielleicht ein klein wenig Druck, aber das war schon sehr gut, komplex, noch einmal eine deutliche Steigerung zum Kartäuser.
Fass 2 zeigte sich deutlich wuchtiger, vielleicht auch ein klein wenig zu hoch im Alkohol, allerdings finde ich das aus dem Fass mit der Hefe eher schwer zu beurteilen. Sehr schön aber die kräutrige Art, Brennnessel, Thymian, schön würzig.

Im Prinzip hatte das eine Fass was dem anderen fehlt, eine Cuvee dürfte da einen großartigen Wein ergeben.

Dann haben wir noch einige Fässer probiert, die für den Eigenart und den Escherndorfer Lump vorgesehen waren. Aber hier standen die Cuvées noch nicht fest. Was uns auffiel, die Ratsherr-Weine waren allesamt deutlich straffer, zeigten mehr Zug, mehr Würze, die Weine aus dem Lump, der ja zu den heißesten Lagen in Franken zählt, waren deutlich wuchtiger, konzentrierter manchmal fast schon etwwas zu viel von allem. Aber auch hier handelt es sich ja nicht um fertige Weine, alle liegen noch auf der Vollhefe, das eine oder andere Halbstück gärte noch ganz zart.

Tendenziell würde ich aber sagen, dass mir persönlich die Ratsherr-Weine aus 2018 besser gefielen als die Lump-Weine bei Christian Müller. Ich bin aber schon sehr gespannt auf die fertigen Weine.

Wir haben noch ein paar wenige Flaschen 2016er Eigenart im Lager, der jetzt, mit etwas Reife, so richtig zur Hochform aufläuft.

Auch Christian Müller hat uns eine richtig überzeugende Kollektion gezeigt, ich denke alle Weinfreunde können sich auf sehr schöne 2018er Silvaner aus Franken freuen. Es wird für jeden Anlass etwas geben und ein paar echte Weltklasse-Weine sind auch dabei.

Mit dem Silvaner haben die fränkischen, eigentlich die deutschen Winzer, einen Rebsortenschatz, den die Weinfreunde viel mehr beachten sollten.