2018er – erste Eindrücke aus Franken | Weingut Zehnthof Luckert (Teil 2)

Wir verließen Retzstadt mit kräftigem Rückenwind, der erste Eindruck der 2018er Silvaner hat uns beeindruckt, aber auch ganz real blies Sturmtief Bennet in Franken recht heftig. Uns zog es nach Sulzfeld, ein pittoreskes Städtchen im süd-östlichen Bereich des Maindreiecks, komplett umgeben von einer Stadtmauer, mit einem historischen Ortskern, mit engen Gassen und fränkischem Fachwerk. Hier ist das Weingut Zehnthof Luckert beheimatet, das sich in den letzten Jahren an die Spitze in Franken gearbeitet hat. Gerade was die Weißweine, Silvaner, Weißer Burgunder und Chardonnay betrifft, wird man schwer besseres in Franken finden.

Der Zehnthof Luckert ist auch der Vorreiter in Sachen Biowein in Franken, wobei Ulrich Luckert mir mal gestand, dass ihnen akribischer Bioanbau genügt, zum Glauben an übersinnliche Esoterik und Biodynamie würde es aber nicht reichen, womöglich fehle es dem mit beiden Beinen im Wingert stehenden Franken da an Sensibilität. Eine kleine Anekdote am Rande, nach 10 Jahren Bioanbau hat man es hier geschaft den Humusanteil auf 3% zu steigern, 10mal so hoch wie zu Beginn. In weiten Teilen der Landwirtschaft haben wir heute keinen Humusaufbau sondern drastische Humusverluste. Wer sich da mehr informieren will, dem empfehle ich folgenden Beitrag beim DLF.

Aber hier soll es um die Weine des Jahrgangs 2018 bei Ulrich, Wolfgang und Philipp Luckert gehen. Soviel sei schon verraten, auch die zweite Station bescherte uns großartige Weine.

Zu Beginn erzählte und Ulrich Luckert, dass die Lese auch hier sehr früh begann, dass man aber auch im Extremjahr 2018 keine Angst vor BSA (bakterieller Säureabbau, die Umwandlung von Apfelsäure in Weinsäure) hat. Bei Luckerts werden alle Weine im Holzfass vergoren, die BSA Bakterien bekomme man da sowieso nicht heraus, auch mit noch so viel putzen nicht. Also besser aus der Pflicht eine Tugend machen, meist läuft der BSA schon vor der alkoholischen Gärung ab, dadurch zeigen die Weine nur sehr selten und wenn, dann ganz geringe laktische Noten. In einem reifen Jahrgang wie 2018 verliert man mit dem BSA auch nicht mehr als ein halbes Grad Säure, schließlich hatten die Trauben nur wenig Apfelsäure, aber viel herrlich aromatische Weinsäure, die durch den BSA nicht abgebaut wird. Wir waren gespannt.

2018er – erste Eindrücke aus Franken | Weingut Zehnthof Luckert (Teil 2)

Die 2018er Weine vom Zehnthof Luckert
Alle Weine waren füllfertig in Stahltanks cuvetiert und so gut zu verkosten.

2018 Müller-Thurgau Sulzfeld
Die Rebsorte wandert in Franken heute meist in Cuvees und Seccos, auf den Etiketten der Topbetriebe findet man, die immer noch am meisten angebaute Sorte Frankens, kaum noch. In diesem jahr dürfte der Silvaner auch in den Weinbergen den Müller wieder überflügeln. Auch Rebsorten haben Moden, was es für den Winzer auch nicht leichter macht. Aber zurück zum Wein.
Easy drinking in Bestform, saftig, animierend fruchtig, Steinobst, Pfirsich, dazu grüner Apfel, kein Muskat-Ton, alles frisch mit fröhlicher Säure. Terrassenwein, Sommerwein. Toller Einstieg.

2018 Sauvignon Blanc Solzfeld
Eher dezent in der Nase, ein wenig Gelbfrucht, etwas Kräuter, im Mund straff, auch wieder gelbfruchtig, nur ein wenig Stachelbeere, Efeu, Kräuter, feine Säure, endet herb-würzig. Sehr schöner Sauvignon Blanc, erinnerte ein wenig an meinen Lieblings-SB von Gesine Roll.

2018 Muskateller Sulzfeld
Keine Angst vor Frucht, herrlich traubig, saftig, feine Säureader (obwohl analytisch gerade mal 4gr Säure), wirkt straff, frisch, animierend. Da freut man sich schon auf die ersten warmen Nachmittage auf der Terrasse.

2018 Silvaner Sulzfeld
Nach den fruchtigen Spassweinen wurde es jetzt etwas ernsthafter, ohne dass der Trinkspaß leiden müsste. Klassische Apfelfrucht, Kräuterwiese, zart-würzig, leicht phenolische Note, Grip, staubig-erdige Noten, perfekter Einstiegs-Silvaner.

2018 Roter Silvaner Sulzfeld
Etwas Steinobst (deshalb dachte ich zuerst, dass das der Blaue Silvaner sei), dann Kräuter, nach hinten zeigt der Wein ein Bittere, die mir aktuell etwas zu kräftig, unharmonisch war. Mit dieser Bitternote gefällt mir auch der Abgang nicht 100%, liegt vielleicht noch am jugendlichen Alter, mich ließ der Rote Silvaner etwas ratlos zurück, den 2017er fand ich mit seiner feinen Traminernote richtig klasse. Mal sehen wo sich der Wein hin entwickelt.

2018 Blauer Silvaner Sulzfeld
In der Nase leicher Spontistinker, Zündhölzchen, zum ersten Mal bei Luckerts an diesem Vormittag, dazu saftig-reife Limone, mehr Aromatik als Säure, im Mund gesellt sich zur Limone noch etwas Apfel, die Steinobstnote dieses Jahr sehr zurückhaltend, wunderbar griffiges Mundgefühl, lebt im Moment mehr von Textur als überbordender Aromatik. Klasse Struktur, das erste Highlight bei Luckerts. Da dürfen sich unsere Kunden auf einen großartigen Silvaner freuen. Verfügbar ab Ende April.

2018 Silvaner Gelbkalk
Deutlich feiner, eleganter als der Blaue Silvaner, wieder Limone, mehr Apfel, erst eher grüner Apfel, dann gelber Apfel, dann ein klein wenig Quitte, nach hinten zeigt sich immer mehr Würze, Mineralik, zarte Phenolig, schönes Bitterl, gleichzeitig charmant und ernsthaft. Nach dem Blauen Silvaner gleich das nächste Highlight.
Mein Begleiter Oliver Donnecker fand den Gelbkalk aktuell zu überbordend, bis dahin waren wir auf einer Wellenlänge, hier lagen wir auseinander.

2018er – erste Eindrücke aus Franken | Weingut Zehnthof Luckert (Teil 2)

2018 Weißer Burgunder Sulzfeld
Hm … tat sich bei mir nach dem Gelbkalk sehr schwer, im Duft war er mir etwas zu plakativ, im Körper fehlte mir die Substanz. Nur damit mich keiner missversteht, das ist ein schöner Wein, aber er sprach nicht mit mir.

2018 Weißer Burgunder Terrassen
Nach dem kleinen Dämpfer packte Ulrich Luckert aber gleich wieder einen echten Hammer aus. Der Terrassen zeigt sich schon in der Nase kühl, steinig, salzig, die Frucht dezent, hochwertig, floral, auch ein klein wenig Brausepulver. Viel Zug, straff, ich musste mich sehr überwinden den Wein auszuspucken, aber wenn man nach der Probe weiterfahren muss, bleibt keine Wahl. Trotz Spucken bleibt der Wein ewig lang im Mund. Klasse.

2018 Chardonnay Sulzfeld
Ob sich beim Chardonnay die Performance der Weißen Burgunder wiederholt? Ein wenig schon, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Hier zeigte sich der Ortswein schon grandios, feine Frucht, Apfel, etwas Reineclaude, dann Kräuter, Brennnessel, Kalkmineraliät, diese herrlich seifige Note, die ich auch bei Chardonnay aus dem Burgund liebe. Ganz zum Schluss schleicht sich noch ein wenig Salz ins Geschmacksbild, herrlich komplex, gleichzeitig trinkig. Herrlicher Stoff zum kleinen Geld. Kauftipp.

2018 Chardonnay Sonnenberg
Straff, fast hart schon in der Nase, im Mund unglaublich kompakt und wuchtig. Boah der bügelt alles nieder, mir war das etwas zu viel von allem. Mit Reife kann das aber noch sehr gut werden, time will tell. Aktuell aber schwer zu beurteilen.

2018er – erste Eindrücke aus Franken | Weingut Zehnthof Luckert (Teil 2)

2018 Silvaner Maustal GG
Für mich die ideale Kombination aus blauem Silvaner und Gelbkalk und noch besser. Feine Frucht, schon in der Nase extrem elegant, klar noch sehr unvollendet, der braucht noch Reife, aber die Anlage ist da. Gelber Apfel und Quitte, man spürt die Finesse, sicher noch nicht ganz harmonisch, aber das kommt noch. Ungemein Komplex im Mund. Salzige Mineralität. Kräuter, Thymian, auch Minze, kühl, frisch. Großes Silvaner-Kino.

2018 Silvaner Creutz
Der legendäre Weinberg, 140jährige Reben. Kraftvoll würzig, dezente Karamellnote, extrem dicht, trotzdem fein, Apfel, Kräuter, Thymian, das sit schon nah an der Perfektion, troztz des extrem jugendlichen Stadiums. Ein kleines Stück vom Silvaner-Himmel.

Nach den Weinen vom Weingut May die nächste starke fränkische Kollektion aus 2018, was ein Auftakt. Wo die Weine von Rudi May eher auf der kargen Seite bleiben, da zeigen die Weine von Ulrich und Wolfgang Luckert ein klein wenig mehr Schmelz, cremige Frucht, beide Kollektionen zeigen die Wandelbarkeit und die Klasse des Silvaner, aber auch die Burgundersorten können in Franken überzeugen.

Meine persönlichen Favoriten beim Zehnthof waren der Blaue Silvaner, der Silvaner Gelbkalk, der Weiße Burgunder Terrassen und der Chardonnay Sulzfeld. Maustal und Creutz laufen ob ihrer Jugend noch außer Konkurrenz 😉

Nach dem Mittagessen beim Gasthof weißes Lamm in Sommerach mit schmackhafter, gutbürgerlich, fränkischer Küche, ging es nach Volkach zum Weingut Max Müller I.