Grand Jour de Bourgogne 2010 – Richebourg 88 & Entdeckungen & #gjdb #GrandJourdeBourgogne

Tag 3

 

Heute hatten wir durch den Weinfreund Wofgang die Gelegenheit, Jean-Marc Bouley, Winzer in Volnay kennen lzulernen. Wir kamen kurz vor 11 Uhr vor seiner Domaine an, dahinter liegt der Clos de la Cave und da kraxelte einer ganz oben zwischen den Rebzeilen, nämlich der Winzer. Jean Marc bewirtschaftet zusammen mit Sohn Thomas etwa 9 ha in Volnay, Pommard,, Haut Cotes de Beaune und in Beaune. Er spricht übrigens sehr gut deutsch, auch wenn er das immer gerne abstreitet.

 

Bouley gehört in Deutschland noch zu den wenig bekannten Winzern, die sich aber beileibe nicht im Schatten der bekannten Namen verstecken müssen, daür sind seine Weine einfach zu schön. Wenn man sie mit ein paar Wörtern charakterisierten müsste, würde ich dafür „delikat“, finessenreich“ und „eigenständig“ verwenden. Fast 30 Jahre keltert Jean-Marc nun seine Weine aber auch die zunehmende Aufmerksamkeit der Presse und die sehr guten Bewertungen in allen wichtigen französischen Weinführern (liegen in seinem Verkostungsraum wie in einer Art Schrein aus) und die von Burgundkoryphäe Allen Meadows haben den bodenständigen Winzer am Boden bleiben lassen. Seit Anfang 2002 ist nun auch Sohn Thomas im Betrieb mitverantwortlich, Ideen hat er sich aus diversen Auslandspraktika in Übersee mitgebracht. Gibt es eine bessere Kombination wie Erfahrung und Bauchgefühl des Vaters und Passsion und „in andere Fässer schauen“ des Sohnes?

 

Alle Weine begeistern durch eine frische, delikate Frucht, Tiefe und Komplexität. Alle Parameter für eine Verfeinerung auf der Flasche im heimischen Keller sind vorhanden und man sollte den Weinen diese Zeit auch geben.

 

2008 Bourgogne Haut-Cotes de Beaune

Der Jeden-Tag Wein des Hauses überzeugt selbst noch nach 3 Tagen in der geöffneten Flasche mit einer Frische, das man es kaum glauben mag. In seiner Preisklasse schwer zu toppen. Klassische Pinotfrucht, angenehme Säure.

 

2007 Volnay Vieilles Vignes

Kein nomineller Premier Cru, aber das Zeug dazu besitzt er, mein Lieblingswein. Ungemein feine Art am Gaumen, fast seidig, reife, rote, helle Beeren, immens lang. 90/100 Pkt. Um 20 €

 

2007 Volnay 1er Cru Clos des Chenes

Großer Ausdruck an roten Früchten, viel Kraft und Druck am Gaumen, feine, edle Tanninstruktur, grandiose Länge. Stammt aus einer 0,5 ha Parzelle

 

2006 Pommard 1er Cru Fremieres

Viel reife Kirsche, aber auch Massen an Tannin. Entwickelt ein ungeheuren Schmelz auf der Zungenmitte, herrlich eindringliche, rife Beerefrucht, noch etwas raues Tannin, am Ende kühle, mineralische Bodennoten, wirkt sehr fein und natürlich. 92-94/100 Pkt Um die 33 €

 

2006 Pommard 1er Cru Rugiens“

Der Topwein des Hauses! Reife Frucht, immense, druckvolle Konzentration, körperreich, dabei mit viel Finesse und Spiel am Gaumen. Einkellen und 10 Jahre reifen lassen. 93-95/100 Pkt. Um die 40 €

 

Anschließend ging es wieder Richtung Beaune, denn im Palais des Congress waren Verkostungen aus Maconnais und rund um Beaune angesagt. Nach 2 Tagen intensiven Verkostens hatten wir uns nun eine kleine Auszeit gegönnt, es gab aus unserer Sicht nichts wirklich Interessantes und auch eine gewisse Sättigung und Unlust angesichts des fantastischen Frühsommer-Wetters machte sich dezent breit. Wir probierten nur die Weine von unserer Domaine Cheveau aus Pouilly (fantastische 08er Pouilly Fuisse „Les Trois Terror“ „Ver Cras“ und „Vieilles Vignes“) Nicolas Cheveau hat mit seinen Weinen in Frankreich wieder einige Preise einheimst und gehört mittlerweile zu den Top-Betrieben und auch Vorbildern der Region Macon und Pouilly-Fuisse. Seine weißen 08er sind wieder ungemein cremig, fruchtig und mineralisch ausgefallen. Chardonnay, der weder fett oder sattmachend wirkt, sondern mit Dichte, Kraft und Verspieltheit von feiner Säure und Mineralik glänzt. Mitte April wird er auch seinen 09er Macon-Solutre aus dem Stahltank füllen, dann werden wir seine Weine auch wieder komplett im Laden und Internet-Shop anbieten können.

 

Auch Chantal Martin von unserer Domaine Michel Martin aus Chorey Les Beaune war mit Fassproben ihrer roten 08er Weine vertreten. Sie sind vom „einfachen“ Bourgogne rouge bis hin zum Beaune 1er Cru Clos du Roi wieder sehr gut gelungen. Feine rote Beeren im Duft, zarte Holztöne umschmeicheln die Nase, reife Säure gibt den Weinen eine herrliche Frische und vor allem auch die Zeit zu reifen. Am Abend konnten wir noch die 2009er als Fassprobe anschmecken. Viele reden im Burgund von einem großen Jahr, ähnlich dem 2005er, aber auch ich habe bei vielen Proben von 09ern den Eindruck, dass es den Weinen an zwei Dingen zum großen Jahr fehlt: Säure und Konzentration, denn diese sind für einen großen Jahrgang wichtig und die hat 2009 nicht. Es ist ein sehr guter Jahrgang, der ab Fass schon ungemein duftig und saftig daherkommt, die Tannine sind weich und rund. Sind wir also gespannt, was auf die Flasche kommt.

 

Am Abend waren wir dann bei Chantal und Michel zum Boeuf Bourgignon eingeladen. Ein wunderbar einfaches Essen sehr gut zubereitet. Interessanterweise hat der tags zuvor im Le Chambolle getrunkene 05er Chambolle-Musigny von Frederic Magnin gar nicht dazu gepasst, das viel Holz wirkte einfach störend. Dieser Wein wird wohl um die 40 € kosten und bestätigt einmal mehr mein Bild von den hochgehypten Namen im Burgund. Sie ernten jede Menge Punkte auf den Zetteln der Degustatoren (Allen Meadows gibt ein Outstanding = 90-94 Punkte), aber am Tisch beim Essen spielt die Musik. Und da trumpften 2 Weine auf. Ein kleiner, mit gerade einmal 8 € bezahlbarer 05er Chorey Les Beaune und der knapp 20 € günstige 04er Beaune Premier Cru des Hausherren. Die perfekte Marriage, die reife Säure des kleinen Chorey putzte erst mal das Holz des Chambolle von meinem Gaumen und auch ohne Essen bereiteten diese feinen, traditionell hergestellten Weine enormen Spaß. Das ist für mich GROß, unabhängig von Namen und Punkten!

 

Tag 4

 

Abseits der allseits bekannten Namen von Winzern und Regionen im Burgund, gibt es auch Appellationen, die ein gutes Verhältnis von Qualität und Preis aufzubieten haben. Rully, Givry, Mercurey, Montagny um nur einige zu nennen. Da kann man tolle Entdeckungen machen, daher sind wir heute die 35 km nach Mercurey gefahren, um diese Weine zu probieren und um auch einige Winzer wiederzusehen, die ich bei meinem vorletzten Besuch im Burgund kennnen- und schätzengelernt habe, wie z.B. Stephane Briday von der Domaine Michel Briday. Hier gefielen vor allem die Weißweine, die roten 08er waren noch sehr eckig und kantig und eigentlich eher unzugänglich, auch aufgrund ihres Tannins.

 

2008er Rully 1er Cru „La Pucelle“

Großartig! Mir gefällt bei seinen Weißweinen aus Rully besonders die Balance, die die Weine haben. Alle Einzelbausteine wie Frucht, Säure, Mineralik sind wunderbar zusammengefügt und ergeben einen feinstrukturierten, komplexen und niemals langweiligen Wein. Tolle Länge, tiefe Frucht, saftig am Gaumen, noch sehr junger, entwicklungsfähiger Wein.

 

Einer der bekanntesten Namen in Rully ist die Domaine Jacquesson. Diese Rully 1er Crus haben uns vor drei Jahren enorm beeindruckt. Die 2008er – auch die 1er Crus –  jedoch haben uns dieses Mal nicht wirklich begeistert. Sie kamen mir etwas zu breit angelegt vor, Mineralität war schon da, auch Cremigkeit, aber es fehlte Animation im Glas, auch Frische, schade.

 

Eine weitere Entdeckung waren die Weine von Francoise Feuillat-Juillott aus Montagny. Die Weißweine dieser Region fallen meist immer sehr karg und mineralisch, mit eher reduzierter Frucht aus, besitzen aber ein fantastisches Preis/Genuss-Verhältnis, zumindest vor Ort. Mein bisheriger Favorit aus dieser Region, die Dom. Berthenet hatte in 2008 Weine mit recht spitzer, sehr dominanter Säure vinifiziert, was den Weinen bei der kargen Art nicht so gut steht, diese wirken dann etwas aggressiv am Gaumen. Bei Francoise Feuillat jedoch fanden wir wunderbar fruchtige Weine, sehr gut ausbalanciert, frisch und am Ende eben mit der typischen, kalkigen Mineralität.

 

Bei den Rotweinen behaupte ich nun mal, meinen Stil gefunden zu haben. Ich mag die feinen, finessenreichen, nach reifen Beeren duftende und am Gaumen von einer zarten Süße und einer reifen, frische Säure unterlegten Pinot Noir. Gouges, Robert Chevillon, Chicotot aus Nuits Saint-Georges zum Beispiel, Tortochot aus Gevrey-Chambertin, Silvain Cathiard aus Vosne Romanée um nur einige zu nennen, natürlich auch Michel Martin, sonst wären sie ja nicht in unserem Portfolio. In Mercurey habe ich nun ebenfalls einen Erzeuger „an der Hand“

 

Domaine du Meix-Foulot

Zuerst Terroir und vor allem, dass ist der Leitspruch von Agnes Dewe und Paul de Launay. Den Ausdruck der Böden unverfälscht in die Flasche zu bekommen, schonender Umgang, lange (4 Wochen) Maischegärung, lange Ausbauzeiten im großen Holzfass, nicht zu warme Vergärung, Respekt vor dem Terroir, dass sind die Eckpfeiler der Domaine. 1996 übernahm Agnes die Verantwortung auf dem Weingut, seither hat sie mehr und mehr an der Verfeinerung an den Weinen gearbeitet. Alle Pinot sind von wunderschöner Feinheit und Rasse, spielen mit den Aromen am Gaumen und entwickeln ein wunderbar, von reifer Frucht getragene Weine.

Sc

2007 Mercurey 1er Cru Les Veleys

Schöner und klarer Fruchtausdruck, reich an Fruchtaromen heller Beeren, entwickelt eine schöne, seidige Struktur am Gaumen und glänzt mit herrlich feinen Tanninen und einer feinen Fruchtsüße. Macht als 2007er schon Spaß, die 2008er liegen noch etwas länger im Fass, im Gegensatz dazu präsentierten viele Winzer jetzt schon ihre 08er 1er Crus.

 

Mittagessen war nun angesagt, im Zentrum von Mercurey musste man erst mal 20 Minuten anstehen, denn im Gegensatz zu allen bisherigen Veranstaltungen konnte man sein Mittagessen im sitzen genießen. Nachdem also wieder 2 Plätze frei wurden, wurden wir vom Oberkellner an unsere Plätze geführt, sogleich wurde ein Magnumflasche auf den Tisch gestellt und wir konnten uns an dem überwältigenden Büffet bedienen. Es gab Landpasteten, Rillettes, diverse Salate wie Paella, Bohnen mit Chorizo, Terrinen, eine warme Geflügelroulade mit Gratinkartoffeln, Bohnen und und und. Dann gab es noch diverse Desserts wie Cassiseis, frischer Obstsalat, Mousse au chocolate und Erdbeercharlotte, das riesengroße Käsebuffet natürlich nicht zu vergessen. Zwischendurch sah man immer wieder den Küchenchef im Saal lächelnd herumspringen, sich mit den Gästen unterhaltend, Küsschen hier, Küsschen da für die Damen, insgesamt eine richtig gute Atmosphäre, die dem Chef de Cuisine sichtlich Spaß machte. Wir haben uns dann am Ende bei ihm für dieses tolle Buffet bedankt, bei mir blieb es beim Händeschütteln, Barbara wurde natürlich gebusselt. Gut genährt fuhren wir dann zu einer Verabstaltung nach Vosne Romané

 

Exceptionelles – femmes et vins de Bourgogne ist eine Gruppe von 31 Winzerinnen aus fast allen Regionen des Burgunds. Auf der Domaine Anne Gros in Vosne Romanée präsentierten sie ihre Weine, auch Chantal Martin gehört dieser Gruppe an, was schon eine besondere Ehre ist. Reger Austausch bringt die Mädels der „2. Reihe“ nach vorne, gemeinsam sind sie stark. Da ich die Liste der Weingüter vorher nicht kannte, war ich umso überraschter, dass auch einige meiner Favoriten dabei waren u.a. aus Chablis Natalie & Giles Fevre, Chantal Tortochot aus Gevrey-Chambertin, Nadine Gaubin von Jacques Prieur aus Nuits Saint-George, die Domaine Feuillat-Juillot aus Montagny sowie Meix-Foulot aus Mercurey.

 

Auch hier herrschte reger Andrang es war fast kein Durchkommen zu den einzelnen Tischen, daher folgte ich einem Tipp von Robert, Dieter und Wolfgang. „Geh an den Tisch, da stehen von allen Weingütern 8er Weine, also gereifte Weine aus 1988 und 1978. Es war ein Erlebnis, einen 88er Richebourg aus der Magnum der Dom. Anne Gros zu probieren, immer noch von kräftiger Farbe, enorm im Druck, wunderbar reiche Nase nach Pflaume, Kirschen und Gewürzen. Herrlich zu trinken, aber auch noch locker 10 Jahre Zeit, sich weiter hinter dem Säuregerüst zu verfeinern. Der 78er Clos de Vougeot (ebenfalls von Anne Gros)war gut, aber eher in der Phase des Abbauens.

Wunderbar auch der 88er Corton-Bressandes von Christine Dubreuil-Fontaine, ungemein frisch und saftig, süffeln auf extrem hohem Niveau, ein Wein der durch seine Aromen von Waldboden, Pflaumen und Gewürzen geradezu im Glas strahlte.

 

Das war ein perfekter Abschluß, am Abend sind wir dann noch in unser Lieblingsrestaaurant Ma Cuisine nach Beaune gefahren und haben den Abend würdig beschlossen. 2006 Nuits Saint Georges von Gouges, dann Kompott vom Kaninchen mit Estragon, Kalbsnierchen in Senfsauce und als Abschluß Tarte Tatin.

 

Bilder folgen, jetzt geht es weiter zur nächsten Verkostung, Bericht folgt

Posted via web from gutsweine’s posterous