Riesling Auslese »Krettnacher Euchariusberg«
Herkunft
Stefan Müller Riesling Auslese; der Krettnacher Euchariusberg, aus dem diese Riesling Auslese stammt, ist eine Lage mit hohem Renommee. Man findet ihn südlich von Trier zwischen Konz und Oberemmel, oberhalb von Niedermennig im Konzer Tälchen gelegen. Vom Weinberg hat man einen herrlichen Blick ins Tälchen, wo, man mag es kaum glauben, vor Millionen Jahren die Mosel sich ihren Weg bahnte. Wer einen steilen Weinberg ala Bremmer Calmont oder Kanzemer Altenberg erwartet, wird vielleicht erst ein Mal enttäuscht sein. Der Euchariusberg ragt nicht steil in die Höhe, nein, er steigt eher sanft auf knapp über 320m an. Aber das tut ein Montrachet im Burgund auch nicht! Man sieht beiden Lagen nicht an, dass sie mit die besten Weinlagen weltweit sind, aus denen große Weine kommen.
Früher und heute
Saar-Weine, wie diese Riesling Auslese aus dem Krettnacher Euchariusberg, waren nicht immer so nachgefragt wie aktuell. “Dank” des Klimawandels reifen die Trauben für die Saar-Rieslinge nun vollends aus. Bis in die 1980er Jahre gelang dies nur bei jeder dritten Ernte. Schwache Ernten verzeichnet heute kaum noch ein Winzer. Wenn man die letzten 15 Jahre zurück blickt, kommt man bei der Renaissance des Saar-Rieslings nicht um den Namen van Volxem herum. Roman Niewodniczanski war es, der dieser Region wieder Leben einhauchte, von hier kamen früher die renommiertesten Weine der Welt, auch preislich am oberen Ende vor Bordeaux und Burgund.
Ganz wenige Ausnahme-Winzer wie z.B. Egon Müller vom Scharzhof hielten und halten die Fahne im Wind. In den letzten Jahren erfuhr das Gebiet zusätzlich eine weitere Aufwertung durch den Einstieg von z.B. Günter Jauch beim Weingut von Othegraven in Kanzem. Er spielte früher hier als Kind, ist also kein Promi, der sich ein Weingut schnappt und von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Mit Andreas Barth (mittlerweile nicht mehr dort) besaß er zwar einen der genialsten Winzer Deutschlands, aber Jauch steht oft selbst in vorderster Linie und hat sich in die Sache reingefuchst und kann auf viele Fragen kompetent antworten.
Jahrgang 2023
Auf einen vergleichsweise milden Winter folgte ein guter Start in die Vegetationsperiode, der im langjährigen Mittel lag. Eine Periode sonnigen und trockenen Wetters im Juni führte zu einer guten und vergleichsweise gleichmäßigen Blütezeit, die im Juni und größtenteils im Juli sehr trocken war, was die Erzeuger auf einen weiteren heißen Jahrgang hoffen ließ. Ende Juli schlug das Wetter jedoch um, und der Rest des Sommers war von viel Regen geprägt. Wie durch ein Wunder hörte es im September auf zu regnen, und das Wetter wurde meist sonnig, aber auch zu warm, um sich wohlzufühlen. Die gute Reife und das warme Wetter führten dazu, dass die Ernte wieder recht früh stattfand. Der Druck der Fäulnis machte die Ernte extrem schwierig und anspruchsvoll. Die Herstellung von edelsüßen Weinen war besonders schwierig, da Zeitdruck herrschte.
Der 2023 ist alles andere als homogen, aber insgesamt ist der Stil von Schwung, Frische und Leichtigkeit geprägt. Die Weine des Jahrgangs 2023 sind meist recht zugänglich. Die Weine entsprechen alle den Erwartungen, die mit ihrem Prädikat verbunden sind. Der größte Teil der Produktion entfällt auf Kabinett und Spätlese, und nur kleine Mengen an Auslese und aufwärts wurden produziert. Ein Großteil der Spätlese wurde für die Herstellung von trockenen Weinen verwendet, die im Jahr 2023 leichter sind. Die Erträge erwiesen sich als recht gut, auch wenn sie während der Ernte zurückgingen.
Das Jahr 2023 verdient jede Aufmerksamkeit, denn es brachte einige Weine von unglaublicher rassiger Schönheit und Finesse hervor! Aber der 2023 war auch sensationell heterogen und schwierig zu handhaben: Nicht blind kaufen! Die Krönung des Jahrgangs ist der Kabinett, der so brillant sein kann wie in den besten Jahrgängen. Wenn Spätlese Ihr Ding ist, zeigen die besten aus dem Jahr 2023 (nicht alle!) einen großen Sinn für Helligkeit. Die feinsten Edelsüßen sind umwerfend (es gibt Perfektion), aber die Mengen sind erschreckend klein. Einige große trockene Weine wurden im Jahr 2023 erzeugt, aber insgesamt erwies sich dieser Stil als der schwierigste des Jahrgangs, da die Weine dünn und leicht sein können.
Stefan zum 2023er
„Mit den abgefüllten Weinen bin ich angesichts des Verlaufs der Vegetationsperiode sehr zufrieden. Der Beginn des Jahres war ganz normal, mit durchschnittlichen Temperaturen, glücklicherweise ohne Frost und einer Blüte, die im langjährigen Durchschnitt lag. Das Einzige, was sich ab Juni bemerkbar machte, war die sehr trockene Witterung. Dieses trockene Wetter hielt bis in den Juli hinein an, bevor sich Ende Juli der Himmel öffnete. Während der verbleibenden Vegetationsperiode, d. h. bis weit in den September hinein, regnete es viel. Teilweise war das Wasser willkommen, da der Juni trocken war, aber es hat sich als sehr ergiebig erwiesen und zu großen Trauben geführt. Sobald der Regen aufhörte, wurde das Wetter heiß und trocken, was bei der Weinlese einige Herausforderungen mit sich brachte, da sich die Fäulnis eher zu einer Geschmacksverirrung als zu edler Botrytis entwickelte.
Wir begannen mit der Weinlese am 11. September und konzentrierten uns wie üblich auf den Kabinett und machten dann unseren üblichen Rundgang durch die verschiedenen Weinberge. Ich bemühte mich sehr, alle Trauben auszusortieren, die auch nur einen Hauch von Fäulnis aufwiesen, denn es bestand die Gefahr, dass sie einen weinigen Beigeschmack bekamen. Schließlich konnten wir die Ernte am 7. Oktober abschließen. Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, bin ich sehr zufrieden mit dem Jahrgang: Die warme Erntezeit macht sich in den Aromen nicht bemerkbar, sie sind frisch und verlockend. Das ist ein toller Jahrgang!
Vinifikation Stefan Müller Riesling Auslese Krettnacher Euchariusberg
Die 1973 gepflanzten Rebstöcke, die nach Süd-Westen ausgerichtet auf reinem Grauschiefer stehen, stammen aus der Parzelle “Gretes” und “August”. Der Ertrag blieb mit verschwindend geringen 30hl/ha extrem niedrig. Handlese am 07.10.2023 mit Selektion im Weinberg, Ganztraubenpressung, Spontangärung bis Ende November, Vollhefelager und Füllung am 29.02.2024.
Memo zur Speise
Dieser saftig-fruchtig-frische Weißwein passt hervorragend zu Desserts, Kuchen, Blauschimmelkäse oder einfach zum Entspannen.
Memo zur Degustation
Unsere Auslese startet direkt mit einer vollen Präsenz in der Nase: Kräuter, Tee, Birne, Litschi und Pfirsich sind nur ein paar Aromen, die sich erschnuppern lassen. Diese Stärke und Klarheit findet man auch auf der Zunge wieder. Die Saftigkeit, die gelbe Frucht und Honig-Anklänge lassen einen kurz alles vergessen. Eine rundum satte Auslese, die aber gerade wegen ihrer Leichtigkeit und dem perfektem Match von Süße und Säure so ausgewogen und tänzelnd daherkommt. Schon mit viel Spaß zu trinken, aber auch mit viel Potential für eine Lagerung über 20 Jahre ausgestattet.
Memo zum Boden
Grauschiefer